Wissen

Awareness verstehen.

Was Awareness auf Veranstaltungen bedeutet, warum es wichtig ist und welche Haltung dahintersteht. Kurz, ehrlich, aus der Praxis.

Definition

Was Awareness ist.

Awareness heißt wörtlich Aufmerksamkeit. Auf einer Veranstaltung bedeutet es: Es gibt Menschen, die bewusst hinschauen und ansprechbar sind, wenn sich jemand unwohl fühlt, bedrängt, belästigt oder diskriminiert wird. Nicht erst, wenn etwas „schlimm genug“ ist, sondern genau in dem Moment davor.

Ein Awareness-Team ist sichtbar, zum Beispiel durch lila Westen, es ist mobil im Publikum unterwegs und hat einen festen Ort, die Anlaufstelle. Dort gibt es Ruhe, Wasser und eine Person, die zuhört. Das Team arbeitet eng mit Security und Ersthelfer:innen zusammen, ersetzt aber keines von beiden.

Awareness ist kein Programmpunkt und kein Werbeschild am Eingang. Es ist eine Zusage an die Gäste: Wenn etwas passiert, bist du hier nicht allein.

Vier Missverständnisse

Was Awareness nicht ist.

Keine zweite Security. Security sorgt für Ordnung, Zutritt und das Hausrecht. Awareness kümmert sich um die Situationen, die davor liegen und die niemand meldet, weil sie „nicht schlimm genug“ wirken.

Keine Spaßbremse. Ein gutes Awareness-Team mischt sich nicht in das Feiern ein. Es ist da, wenn es gebraucht wird, und sonst unauffällig. Die meisten Gäste merken es nur daran, dass sie entspannter sind.

Keine Moralpolizei. Es geht nicht darum, Gäste zu erziehen oder zu belehren. Es geht darum, dass die Person, die sich unwohl fühlt, jemanden hat, der zuhört und handelt.

Kein Ersatz für Verantwortung. Awareness nimmt Veranstalter:innen die Zuständigkeit nicht ab. Es macht sie sichtbar und sorgt dafür, dass im Ernstfall jemand weiß, was zu tun ist.

Haltung

Hinschauen statt wegschauen.

Awareness ist mehr als ein Team in Westen. Es ist eine Haltung, nach der gearbeitet wird. Vier Grundsätze tragen jede Entscheidung an einem Abend.

Die betroffene Person entscheidet.

Was als Grenzüberschreitung erlebt wurde, bestimmt die Person, die es erlebt hat. Wir diskutieren nicht, ob es „so gemeint“ war. Wir fragen, was jetzt hilft.

Parteilich für die Betroffenen.

Ein Awareness-Team ist nicht neutral. Es steht an der Seite der Person, die Unterstützung braucht, und sorgt dafür, dass sie Raum, Zeit und eine Wahl hat.

Freiwillig und im eigenen Tempo.

Niemand muss etwas erzählen, melden oder entscheiden. Wir bieten an, wir drängen nicht. Ein Glas Wasser und ein ruhiger Platz sind oft der erste Schritt.

Vertraulich.

Was an der Anlaufstelle besprochen wird, bleibt dort. Über Vorfälle sprechen wir mit niemandem außer der Veranstaltungsleitung, und auch das nur anonymisiert.

Warum es wichtig ist

Was ein Awareness-Team verändert.

Für die Gäste.

Die meisten Grenzüberschreitungen auf Veranstaltungen werden nie gemeldet. Nicht, weil sie harmlos wären, sondern weil es niemanden gibt, dem man es sagen könnte, ohne dass es „ein großes Ding“ wird. Ein Awareness-Team ist genau diese Person.

Für das Personal.

Bar, Einlass und Garderobe sehen viel, haben aber weder Zeit noch Auftrag, sich zu kümmern. Mit einem Awareness-Team wissen sie, an wen sie übergeben können. Das entlastet und nimmt Druck aus dem Abend.

Für die Veranstaltung.

Situationen werden früher erkannt, bevor Security oder Rettung gebraucht werden. Gäste, die sich sicher fühlen, bleiben länger, kommen wieder und erzählen es weiter. Und in Wien ist Awareness ab einer bestimmten Größe ohnehin Pflicht.

Rollen

Awareness, Security, Ersthelfer:innen: wer macht was.

Awareness

Hinschauen, ansprechen, begleiten. Zuständig für Gäste, die sich unwohl fühlen, belästigt oder diskriminiert werden. Erster Kontakt, Anlaufstelle, Übergabe an Security oder Ersthelfer:innen, wenn nötig.

Security

Ordnung, Zutritt, Hausrecht. Greift ein, wenn Grenzen klar überschritten sind, trennt Personen, spricht Verweise aus und ist bei Gefahr zuständig.

Ersthelfer:innen

Verletzungen, Kreislauf, Vergiftungen. Übernimmt, sobald es medizinisch wird. Awareness bleibt bei der betroffenen Person, bis die Übergabe passt.

Alle drei sind über Funk verbunden und kennen die Rettungskette: wer wann informiert wird und wer entscheidet. Das wird vor jedem Einsatz gemeinsam festgelegt.

Rechtlicher Rahmen

Awareness in Wien.

Seit 2025 verlangt das Wiener Veranstaltungsgesetz (§ 26) bei größeren Veranstaltungen ausgebildete Awareness-Beauftragte: ab 300 gleichzeitig anwesenden Gästen, wenn Musik gespielt wird, es einen Tanz- oder Stehplatzbereich gibt, Alkohol ausgeschenkt wird und die Veranstaltung nach 21 Uhr endet.

Richtwert für die Teamstärke: 1 Person ab 300 Gästen, 2 ab 600, 3 ab 1.000, 4 ab 2.000, 5 ab 3.000, 6 ab 4.000. Mindestens jede zweite Person muss weiblich sein. Die Ausbildung orientiert sich am von der Stadt Wien empfohlenen Umfang von 16 Stunden.

Ob Ihre Veranstaltung betroffen ist, prüfen wir kostenlos im Erstgespräch.

Begriffe

Kurz erklärt.

Anlaufstelle

Ein fester, gut sichtbarer Ort auf der Veranstaltung, an dem das Awareness-Team erreichbar ist: ruhig, mit Wasser und etwas Abstand vom Trubel. Gäste können dort einfach hinkommen, ohne etwas erklären zu müssen.

Awareness-Beauftragte:r

Eine Person, die für Awareness auf der Veranstaltung zuständig und dafür ausgebildet ist. In Wien bei Veranstaltungen nach § 26 verpflichtend, mit einer Ausbildung von 16 Stunden.

Codewort

Ein vereinbartes Wort, mit dem Gäste unauffällig um Hilfe bitten können, zum Beispiel an der Bar. Das Personal weiß dann sofort, dass es das Awareness-Team holt. Bekannt ist etwa „Ist Luisa da?“.

Rettungskette

Die vorher festgelegte Abfolge: Wer wird wann informiert, wer entscheidet, wer übernimmt. Von der ersten Ansprache über Security und Ersthelfer:innen bis zum Notruf.

Abschlussbericht

Eine vertrauliche, anonymisierte Zusammenfassung des Abends für die Veranstaltungsleitung: welche Situationen es gab, was getan wurde und was beim nächsten Mal besser laufen kann.

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